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directionAn anderer Stelle habe ich 6 großartige Vision-Statements und ihre Gegenteile gegenübergestellt. Hier kommt die andere Seite der Münze dran: Hilfreiche Beispiele für gute und schlechte Mission-Statements.

The Good: So sollten Mission-Statements sein

1. TED„Spread Ideas.“
Zwei Wörter, das ist alles was TED braucht. Darum geht es. Punkt.

2. Starbucks: „Our mission: to inspire and nurture the human spirit – one person, one cup and one neighborhood at a time.“
Konkret, schön zu lesen und merkbar. Man weiß in welchem Markt sich das Unternehmen befindet und auch das Wie ist beantwortet.

Continue reading 6 großartige Mission-Statements – und ihre Gegenteile

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Ein Vision-Statment zu schaffen, das diesem Namen auch wirklich gerecht wird, ist gar nicht so einfach. Schließlich soll es kurz sein, auf den Punkt kommen und vor allem eines: inspirieren.

Was gute Vision-Statements ausmacht, kann man am besten durch Beispiele zeigen – sowohl durch gute als auch schlechte. Daher: Hier sind 6 großartige Beispiele für Vision-Statements und 6 Exemplare die zeigen, wie man es besser nicht machen sollte.

>> Hier findest du außerdem 6 großartige Mission-Statements und ihre Gegenteile <<

The Good: So sollten Vision-Statements sein

1. Alzheimer’s Association: „Our vision: A world without Alzheimer’s.“
Kürzer, klarer und inspirierender geht es wohl kaum. Ein klares Bild der Zukunft, das jeder verstehen kann und das motiviert. Zugegeben, Non-Profits, denen schließlich der idealistische Aspekt inhärent ist, tun sich hier leichter als Unternehmen. Dass aber auch letztere großartige Visionen haben können, zeigt Microsoft.

2. Microsoft (alte Vision): „A personal computer in every home running Microsoft software.“
Wenn auch nicht ganz so idealistisch, sondern eher „ich-zentriert“, ist diese Vision ebenfalls kristallklar, groß und zugleich ganz konkret. Eine Vision wie diese muss natürlich über die Zeit verändert werden, doch war sie zu ihrer Entstehungszeit genau das was sie sein sollte: Ein klares Bild der Zukunft, das Microsofts Mitarbeiter dazu motiviert hat, etwas Gewaltiges zu erreichen.

3. Wikipedia„Stell Dir eine Welt vor, in der jeder einzelne Mensch freien Anteil an der Gesamtheit des Wissens hat.“
Wikipedia drückt gleich direkt in der Formulierung des Statements aus, was eine gute Vision ausmacht: Vorstellungskraft.

4. IKEA: „To create a better everyday life for the many people.“
Obowhl es eine Unternehmens-Vision ist, trotzdem sehr altruistisch. Zwar könnte man hier IKEA unterstellen, nur ein gut klingendes Statement kreiert zu haben um sich ein nettes Image zu verschaffen. Doch jeder der IKEA kennt merkt, dass hier doch etwas dran ist.

5. Walmart: „To become the worldwide leader in retailing.“
Hier gibt es wenig hinzuzufügen.

6. charity: water: „charity: water believes that we can end the water crisis in our lifetime by ensuring that every person on the planet has access to life’s most basic need — clean drinking water.“
Noch ein Beispiel aus der Non-Profit-Welt. Ganz konkret und zugleich die Emotionen ansprechend. Wer bekommt hier nicht zumindest ein bisschen das Verlangen, Teil der Vision zu sein?

>> Dich interessiert, wie du deine Vision erfolgreich kommunizieren kannst? Hier habe ich Tipps für dich.<<

The Bad: So sollten Vision-Statemens lieber nicht seinT

1. Macy’s: „Our vision is to operate Macy’s and Bloomingdale’s as dynamic national brands while focusing on the customer offering in each store location.“
Obowhl Macy’s in vielen Bereichen der Business-Welt ein Vorzeigebeispiel ist, gilt das aus meiner Sicht nicht für den Bereich Unternehmens-Vision. Zum einen sind die Inhalte praktisch austauschbar (welches Unternehmen will nicht als eine „dynamic brand“ agieren?), zum anderen gehören Begriffe wie „operate“ wenn schon in Mission-Statements, nicht in eine Vision.

2. Siltronic: Unsere Vision: Wir entwickeln intelligente Lösungen für dauerhaftes Wachstum.“
Dieses Statement zeigt noch deutlicher die Verwechslung von Vision und Mission. Und dass es viel zu allgemein ist merkt man daran, dass man darin nicht einmal den leisesten Anhaltspunkt bekommt, um welches Unternehmen es überhaupt geht.

3. Microsoft (vorletzte Vision): „Global diversity and inclusion is an integral and inherent part of our culture, fueling our business growth while allowing us to attract, develop, and retain this best talent, to be more innovative in the products and services we develop, in the way we solve problems, and in the way we serve the needs of an increasingly global and diverse customer and partner base.“
So gut das alte Statement war, so schlecht ist das neue. Natürlich hat Microsoft richtig erkannt, dass es eine neue Vision braucht. Nur schade, dass daraus dann eine solch langatmige Reihung von Bullshit-Bingo-Begriffen wurde. Update: Microsoft hat inzwischen (schon wieder) eine neue Vision.

4. BASF: „Wir sind „The Chemical Company“ und arbeiten erfolgreich auf allen wichtigen Märkten.“
Ein Beispiel für ein Vision-Statement, das eher eine Wettbewerbsposition ausdrückt, als eine wirkliche Vision.

5. REWE: Die Beste Leistung – für Kunden, Kaufleute, Mitarbeiter.“
Nur, weil man höchste Leistungen hochhält, inspiriert man damit noch niemanden. Dieses Statement fällt eher in die Kategorie Werte, nicht Vision. Und um welche Leistungen geht es überhaupt? Das wäre rein aus diesem Satz nicht erkennbar.

6. Goodwill„Every person has the opportunity to achieve his/her fullest potential and participate in and contribute to all aspects of life.“
Nicht wirklich schlecht, aber doch etwas zu allgemein nach dem Motto „wir wollen alles auf der ganzen Welt verändern“. Man sieht also: Auch Non-Profit-Organisationen tun sich nicht immer leicht mit Vision-Statements.

Fazit

Auch die Unternehmensvisionen von manch renommiertem Player sind nicht immer am Punkt. Oft werden Vision und Mission verwechselt oder Visionen viel zu allgemein formuliert. Die besten inspirieren und zeichnen ein klares Bild der Zukunft. Schlussendlich können wir somit aus positiven als auch negativen Beispielen lernen, wie wirklich sinnvolle Vision-Statements aussehen sollten.


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iPhone above NokiaUnd 6 Dinge, die wir daraus lernen können.

Heute wird die siebte iPhone Generation vorgestellt. Während Apple zum Smartphone-Giganten aufstieg, ging es mit dem einstigen Handymarktführer Nokia steil bergab. Der vorläufige Schlusspunkt: Microsoft übernimmt das Handygeschäft von Nokia.

Doch hätte die Geschichte auch völlig anders verlaufen können. Apple könnte heute ein unbedeutendes Computerunternehmen sein, das wenn es Glück hat noch ein paar iPods verkauft und seine Computer an eine Minderheiten-Fangemeinde verkauft.

Versetzen wir uns ins Jahr 2007. Wie viele wartete ich damals sehnlichst darauf, dass Apple ein Handy auf den Markt bringen würde. Spekulationen und Gerüchte gab es schon seit Jahren.
Damals wurden gerade Musik-Handys populär. SonyEricsson und Nokia waren dabei MP3 Player – und damit auch den iPod – überflüssig zu machen.

1. Demut
Apple hätte nun überheblich sagen können: Der iPod hat einen solchen Kultstatus, außerdem haben wir das so populäre Ökosystem iTunes, an das die Kunden bereits gewöhnt sind – ein paar Musik-Handys werden uns nie Probleme machen. Jim Collins nennt das in seinem Buch How the Mighty Fall „hubris of success“. Überheblichkeit und falsche Selbstsicherheit, die viele Unternehmen ereilt die besonders erfolgreich sind. Steve Jobs war zwar wohl eher nicht die Demut in Person. Doch er hatte offenbar die Weisheit sich nicht vom Erfolg der iPods blenden zu lassen.

2. Geduld und gesundes Selbstvertrauen
Apple hätte damals auf der anderen Seite in Panik verfallen und ein mittelmäßiges Produkt auf den Markt bringen können. Nicht viel Innovation, sondern einfach auf die Popularität der Marke Apple setzen. Vielleicht hätte das sogar zu kurzfristigem Erfolgt geführt. Doch wäre Apple damit jemals der Gigant geworden, der es heute ist?

Viele Unternehmen lassen sich von diesem kurzfristigen Erfolgsdruck leiten. Doch Apple zeigte Geduld und Gelassenheit, weil sie auf ihren Kern vertrauten und ihm treu blieben: Qualität und Innovation.

3. Qualität
Spätestens seit der Jobs Biographie von Walter Isaacson wissen wir, dass der Apple-Gründer wert darauf legte, dass sogar die Hinterwand eines Schrankes gut gemacht wird. Das Prinzip legte er rigoros auf Apple-Produkte um. Nur ein Produkt, das wirklich höchste Qualität hatte und innen wie außen perfekt war, schaffte es auf den Markt.

Das iPhone konnte also auch nicht einfach eine mickrige Weiterentwicklung von bestehenden Handy-Konzepten sein, mit einem schönen Apfel verziert. Bis heute ist das iPhone eine Qualitätsklasse für sich, auch wenn die Konkurrenz immer näher kommt.

4. Innovation
Aus diesem Qualitätsdenken wurde dann das entscheidende für den Erfolg des iPhones geboren: Ein völlig neues und innovatives Konzept. Steve Jobs stellte das iPhone 2007 so vor: „Heute werden wir euch drei revolutionäre Innovationen vorstellen. Einen neuen iPod. Ein Mobiltelefon. Und ein bahnbrechendes Internetgerät.“ Nach mehrmaligem Wiederholen machte er klar: „Versteht ihr was ich meine? Ich spreche nicht von drei verschiednen Produkten, ich spreche von einem!“

Möglich wurde dies vor allem durch eine zentrale Innovation: Den Touchscreen und dessen Mulitouch-Fähigkeit. Touchscreens waren zu diesem Zeitpunkt zwar nicht mehr etwas absolut neues, doch hatte noch kein Handyhersteller solche auf seinen Geräten eingesetzt. Auch Apple hatte lange mit anderen Eingabemethoden experimentiert. Aus der Isaacson Biographie wissen wir, dass Apple etwa lange versuchte, das berühmte iPod Click-Wheel für das iPhone zu verwenden.

5. Die richtigen Prioritäten
Doch dann traf Jobs die wohl wichtigste strategische Entscheidung überhaupt. Apple war bereits seit einiger Zeit daran, einen Tablet-Computer zu entwickeln – mit Touchscreen. Jobs erkannte, dass dieser Touchscreen die entscheidende Lösung war, um das iPhone zu mehr zu machen als zu einem weiteren Handy mit Musikfunktion.
Also entschied Apple, die Arbeit am Tablet ruhen zu lassen und sich voll auf das iPhone mit Touchscreen zu konzentrieren.

Was wäre passiert, hätte Apple weiterhin am Tablet gearbeitet und hätte ein iPhone mit Click-Wheel oder normaler Tastatur herausgebracht? Immerhin war Apple ein Computerunternehmen. Der Fokus hätte doch auf einem Tablet liegen müssen, oder?

Ich glaube, dass die Welt damit heute völlig anders aussehen würde. Nokia hätte Apple wohl mit Musikfähigen Handys überrollt und Apples Tablet würde nur eine kleine Minderheit interessieren.
Denn es war das iPhone, das den Erfolg für das iPad vorbereitet. Nachdem Millionen Menschen wussten, wie man ein iPhone bedient, war der Sprung zum iPad nur der natürlichste der Welt.

Doch mit der Einführung des ersten echten Smartphones hatte Apple Nokia & Co auf dem falschen Fuß erwischt, obwohl Apple weit länger gebraucht hatte als sich viele erwartet hatten. Die Konkurrenz hatte vermutlich mit einem „iPod mit Telefonfunktion“ gerechnet. Es brauchte für die meisten von ihnen Jahre um an Apple anzuschließen. Für Nokia offenbar zu lange.

6. Mut zum Kannibalisieren der eigenen Produkte
Auch wenn sicherlich noch viele weitere Faktoren dazu beigetragen haben, dass die Geschichte so geschrieben wurde wie sie eben geschrieben wurde, möchte ich noch einen letzten aus meiner Sicht besonders wichtigen Erfolgsfaktor erwähnen: Apple hatte immer den Mut eigene Produkte zu kannibalisieren.

So mancher versteht nicht, warum Apple das Risiko eingeht mit dem iPad die eigenen MacBooks zu bedrohen. Doch gerade am iPhone wird deutlich, dass es besser ist die eigenen Produkte zu verdrängen als darauf zu warten, dass die Konkurrenz das tut.

Heute machen iPods gerade noch einmal rund 2 Prozent von Apples Einnahmen aus. Das iPhone hingegen macht 53 Prozent aus, das iPad 20 Prozent.

Wir sehen also: Hätte Apple nicht zur richtigen Zeit die richtige Innovation gebracht und den Mut gehabt diese auch mit Qualität durchzuziehen – Nokia würde heute vielleicht Apple kaufen anstatt von Microsoft gekauft zu werden.

P.S.: Ich bin gespannt, ob Apple heute oder in naher Zukunft mit der berüchtigten iWatch oder anderen Produkten wieder den gleichen Mut zeigt und das iPhone langfristig obsolet macht.

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China, the country of contrastsSeit kurzem sind Christiane und ich wie geplant wieder zurück aus China. Das Jahr war extrem spannend und lehrreich. Nicht zuletzt wegen der gewaltigen Gegensätze im „Reich der Mitte“.

Große Armut steht extremem Reichtum gegenüber. Im offiziell kommunistischen Land herrscht der Kapitalismus stärker als im Westen. Tausende Jahre alte Kultur trifft auf modernste Architektur. Während viele Menschen am Land noch leben wie bei uns vor hundert Jahren, wachsen andernorts die Megastädte in den Himmel.

Oft kommt man sich vor, als würde man eine Zeitreise unternehmen, wenn man in eine benachbarte Provinz reist oder einfach nur auf die andere Straßenseite blickt.

Auch der Grad an Religionsfreiheit ist komplett unterschiedlich, je nachdem wo man sich befindet. Während in manchen Provinzen die (offiziell nicht registrierten) Hauskirchen völlig offen aktiv sein können, müssen in anderen Gegenden Christen und Angehörige anderer Religionen Angst haben aufgrund ihres Glaubens in große Schwierigkeiten zu kommen.

Wie könnte ich nun China zusammenfassen? Eben gar nicht. Der Satz „Wer behauptet China zu kennen, der lügt“, stimmt wirklich.

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China_Mobile

Ob bei China Mobile oder China Telecom, das Bild ist meist das gleiche: Nur die hälfte der Schalter ist offen, die restlichen Mitarbeiter haben anderes zu tun.

Zum Abschluss unserer Zeit in China durften wir sie noch einmal so richtig erleben: Die trotz immensem Fortschritt der letzten Jahre noch grausam veralteten Strukturen und Herangehensweisen wenn es um Formalitäten geht.

Wie viele ehemals klassische Staatsbetriebe ist die China Telecom eine der großen Moloche Chinas. Und es sollte mich inzwischen ja nicht mehr überraschen, wenn es kompliziert ist, den Internetanschluss zu kündigen.

Also gehe ich gut vorbereitet, mit Vertrag, Reisepass und einer chinesischen Freundin als Übersetzerin, zum großen China Telecom Shop drei Straßen von unserer Wohnung entfernt.

Wir nehmen ein Ticket – und erhalten die Auskunft, dass wir mindestens zwei Stunden warten müssten. Also fragen wir, ob es nicht noch einen anderen Shop in der Nähe gäbe. Ja, gibt es. Ob wir dort auch Internet abmelden könnten? Ja, sicher.

Also machen wir uns auf den Weg zum nächsten Shop. Dieser ist fast genauso groß, allerdings ist fast nichts los. Wir erklären unser Anliegen und erhalten nach einigem Hin und Her die Antwort: Geht nicht. In diesem Shop kann man sein Internet nicht abmelden.

Gut, zurück zum ersten Shop. Dort kommen wir schließlich dran und setzten uns an einen der vier offnen Schalter. Die junge Mitarbeiterin lächelt uns freundlich an und verkündet: Heute können wir den Vertrag leider nicht kündigen. Denn heute ist der 1. Juli. Und jeden ersten und zweiten Tag im Monat wird das Computersystem gewartet, womit Kündigungen nicht möglich sind.

Wir versuchen es also einige Tage später nocheinmal – diesmal zuerst bei dem kleinen Shop wo wir vor einem Jahr den Vertag eröffnet hatten. Man sollte ja meinen, dass man dort, wo man einen Vertrag begonnen hat, diesen auch beenden kann. Natürlich weit gefehlt.

Also wieder zurück zum großen überfüllten Shop vom letzen Mal. Ticket ziehen. Diesmal die Information: Nur eineinhalb Stunden warten, etwa 35 Leute vor uns. Wir gehen also in der Zwischenzeit mittagessen. Unsere Nummer ist 115 und als wir zurückkommen, ist gerade 98 dran. Allerdings sitzen an zwei der vier Schalter noch Kunden Nummer 85 und 86. Sie sitzen auch noch immer da, als wir einige Zeit später dran kommen. Dass sie damit fast die gesamten eineinhalb Stunden, die wir gewartet hatten, „betreut“ worden waren erweckt in mir Mitleid.

Ich freue mich also unheimlich, als klar wird, dass wir nun tatsächlich den Internetvertrag kündigen können. Die nette Dame tippselt in ihrem Computer und erklärt dann einiges auf Chinesisch. Unsere Freundin übersetzt: Wir können zwar jetzt kündigen, allerdings können wir den Betrag, den wir noch zurückbekommen sollten, erst im Oktober abholen. Dass wir im Oktober nicht mehr in China sind ändert an der Sache nichts. Ein Freund könnte das auch nicht für uns erledigen, denn man müsse mit originalem Pass kommen.

Mir ist zu diesem Zeitpunkt alles egal, ich will nur noch kündigen. Und man kann ohnehin nichts machen, das Geld ist weg. Doch dann kommt es noch lustiger. Wir müssten noch etwas nachzahlen – für den Telefonanschluss. Wir hatten zwar nie ein Festnetztelefon und hatten auch nie einen Telefonanschluss gewollt, aber offenbar war dieser automatisch im Internetpaket inbegriffen, ohne dass uns dies gesagt worden war. Ob man diesen Betrag denn nicht von dem abziehen könne, was uns China Telecom noch schuldet? Nein, das ist leider nicht möglich.

Also zahle ich schlussendlich dem Unternehmen Geld, das mir eigentlich Geld schuldet. Aber ich habe den Internetvertrag gekündigt. Und das ist Erfolgserlebnis genug.

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qq-logoyouku_logoweibo_logoRenren_logoFacebook, Twitter & Co sind im Reich der Mitte bekanntlich gesperrt. So dürfen sich chinesische Anbieter den Markt aufteilen und kopieren die westlichen Vorbilder mehr oder weniger gekonnt. Was sind also die wichtigsten chinesischen Social Networks? Und worin unterscheiden sie sich von den westlichen Originalen?

Dazu habe ich eine vierteilige Serie auf dem vi knallgrau Blog geschrieben.

Die einzelnen Beiträge könnt ihr hier lesen:

Teil 1: China: Eine andere Social Media Welt
Teil 2: RenRen und andere Facebook Klone
Teil 3: Weibo, mehr als eine Twitter Kopie
Teil 4: QQ, der eigentliche Marktführer

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iPhone mit Microsoft Werbung

In China ist alles möglich: Microsoft Werbung im iPhone Format Bildschirm

Als ich nach China kam, war eine der für mich spannendsten Fragen: Wie läuft Marketing in China? Ist es denn überhaupt so anders?

Nach den ersten Eindrücken möchte ich nun einige Monate später ein Zwischenfazit ziehen – und konkret auf die wichtigste Frage in diesem Zusammenhang eingehen: Worauf sollte man achten, wenn man Marketing in China machen möchte?

1. Mehr als Schrift
Der offensichtlichste Unterschied betrifft natürlich die Schriftzeichen. Doch geht dieser Unterschied weit über ein für Westler ungewohntes Erscheinungsbild hinaus. Chinesen haben ein grundsätzlich anderes Verständnis von Kalligraphie.

Gerade als westliches Unternehmen gilt es, den Spagat zwischen internationalem Feeling und chinesischer Welt zu schaffen. Ganz praktisch etwa: Wie sieht die gleiche Website sowohl in englischer als auch chinesischer Sprache gut aus, obwohl chinesische Schriftzeichen durch ihre Quadrat-Grundform viel höher sind? Welche chinesische Schriftart wähle ich, um ein modernes Image zu unterstreichen?

2. Kundenorientierung
Etwas, das weitreichende Auswirkungen auf die Welt des Marketings hat, ist die kaum vorhandene Kundenorientierung. Chinesen sind noch immer gewohnt, dass der (Staats-) Betrieb König ist, nicht der Kunde. Als Verkaufskraft zu einem Kunden freundlich und zuvorkommend zu sein, wozu? Dann verkauft man den Handyvertrag eben einem anderen der 1 Milliarde Chinesen!

Für internationale Unternehmen gilt es also, ihre Mitarbeiter in Sachen Kundenorientierung zu schulen – vom Webdesigner bis zur Verkaufskraft. Kein Wunder, dass etwa Apple nur schrittweise offizielle Stores in China eröffnet und lange in das Training der Mitarbeiter investiert.

3. Mehrsprachigkeit
Ich kann die Erfahrung von ORF China-Korrespondentin Cornelia Vospernik nur unterstreichen, die in ihrem Buch „China Live“ davon erzählt, wie sich die wenigsten Chinesen jemals an einen englischen Firmennamen erinnern.

Doch auch wenn die meisten chinesischen Firmen nur sinnleere englische Kunstnamen verwenden, so ist es doch essentiell für internationale Firmen, diese Internationalität mit ihrem westlichen Namen zu unterstreichen. Chinesen lieben westliche Marken und selbst wenn sie diese nicht aussprechen können, so hat doch das internationale Markenbild eine entscheidende Symbolwirkung.

Auch bei Slogans und anderen Marketingtexten gilt es abzuwägen, wann es Sinn macht das Englische oder das Chinesische in den Vordergrund zu stellen.

4. Mobiles Internet
China hat bekanntlich den Desktop mehr oder weniger übersprungen. Als Internet Device Nummer 1 dient das (meist übergroße) Smartphone. Manche Analysten gehen davon aus, dass bis Ende 2013 in China 500 Millionen davon in Betrieb sein werden. Responsive Webdesign, das sich an mobile Endgeräte entsprechend anpasst, ist also ein Muss in China.

5. Weißraum vs Farbenfroh und überladen
Obwohl internationale Firmen mit ihrem Marketing auch in China den Trend zu mehr Weißraum fördern, gilt für die meisten chinesischen Firmen weiterhin die unausgesprochene Design-Regel: Je bunter, greller und mehr, desto besser.

Als ich etwa unser neues Firmenschild drucken lassen wollte, erntete ich nur völliges Unverständnis, als ich der Druckfirma erklärte, dass der weiße Hintergrund kein Fehler sei. Grün! Blau! Gelb! Alles, aber bitte doch nicht weiß, wurde mir erklärt. Erst nach dreimaligem „Nein, das soll wirklich weiß sein!!“ wurde das Schild wirklich so gedruckt wie gedacht.
Gerade in der überladenen chinesischen Werbelandschaft ist Weißraum der Schlüssel zum Fokus auf die eigene Botschaft.

6. Zielgruppen
Wer Marketing in China machen möchte, muss vor allem einen zentralen Unterschied in der Zielgruppenanalyse verstehen: Stadt und Land sind zwei völlig verschiedene Welten. Von Werten und Bildung über Kaufkraft, bis hin zur Internetnutzung, bestehen gewaltige Unterschiede zwischen städtischer und ländlicher Bevölkerung.

7. Guanxi: Das chinesische Vitamin B
Beziehungen sind in China noch weit wichtiger als in anderen Ländern. Das wirkt sich auch auf die Kommunikationsarbeit aus. Nicht nur in der PR ist daher „Guanxi“ (Beziehung) zentrales Erfolgselement. Relationship Marketing, Mundpropaganda und Social Media Marketing bekommen so in China eine besondere Relevanz.

8. Social Media
Inzwischen sollte sich herumgesprochen haben, dass Facebook, Twitter und Co in China gesperrt sind. Dafür gibt es mit RenRen, Weibo, Youku etc. von fast allen Diensten eine chinesische Kopie. Social Media sind in China unglaublich populär, alleine die microbloggenden Chinesen zählen 273 Millionen. Auf die einzelnen Social Networks einzugehen würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Nur so viel: Es lohnt sich, sich von jemandem, der chinesisch kann in das soziale Reich des chinesischen Internets einführen zu lassen.

9. Cha bu duo: Ungefähr
Wie in so vielen Bereichen des chinesischen Lebens, gilt auch im Marketing: Cha bu duo. Solange es halbwegs gut aussieht, passt es.

Du gehst mit fertiger PDF Datei zu einem der vielen Visitenkarten-Shops und denkst, die Visitenkarte wird dann auch so aussehen, wie geplant? Weit gefehlt! Statt einfach das PDF zu drucken, wird die Visitenkarte (ungefähr) nachgebaut. Hinweise auf die falsche Ausrichtung einiger Zeilen treffen nur auf Unverständnis. Diese übergenauen Ausländer!

10. Platt vs Kreativ
Die chinesischen Bürger haben sich zwar extrem schnell an die Konsumwelt gewöhnt, es scheint jedoch oft so, dass sie damit noch immer nicht wirklich umgehen können.

Daher funktioniert auch offenbar Werbung, die so platt wirkt wie in den USA vor 30 Jahren. Das bedeutet aber auch ein noch ungemein großes Potential für kreative und mutige Werbezugänge.

Resümee
Auf den ersten Blick läuft Marketing in China weitgehend genauso ab wie „bei uns daheim“. Auf den zweiten Blick zeigen sich jedoch höchst spannende Unterschiede.

Das wichtigste ist zu wissen, dass Chinesen einerseits von Westlichem fasziniert sind, zugleich aber auch sehr stolz sind auf ihre eigene Kultur. Hier gilt es als westliches Unternehmen sensibel zu sein und zugleich mit dem eigenen internationalen Image zu Punkten. Es geht darum, die eigenen (westlichen) Standards nicht völlig über Bord zu werfen und zugleich flexibel mit den Anforderungen umzugehen, die die chinesische Marketingwelt mit sich bringt.

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Blick aus TaxiDiese Woche habe ich mit einem potentiellen Kunden leichtsinniger Weise ein Treffen bei einer Mittelschule am Rand von Chengdu vereinbart.

Dass es ein langer Trip werden würde, dachte ich mir schon. Daher hatte ich auch zuerst überlegt, einfach Mr. Bao zu buchen, einen Fahrer auf den unsere Firma regelmäßig zurück kommt.

Aber dann erwachte mein Abenteuergeist und meine männliche „ich finde meinen Weg schon“ Überzeugung. Also kam ich auf diesen Plan: Ich fahre mit dem Rad bis zur U-Bahn, mit der U-Bahn bis zur Endstation und von dort nehme ich dann ein Taxi, falls ich den Bus nicht finde.

Den richtigen Bus finde ich natürlich wirklich nicht, also nehme ich ein Taxi. Zuerst wirkt es so, als wenn mich der Taxler nicht dorthin mitnehmen will, vielleicht ist es ja zu weit, weil es außerhalb des eigentlichen Chengdu Stadtgebiets liegt. Dann aber verstehe ich, dass er mich doch mitnehmen will, für einen (ziemlich hohen) fixen Betrag natürlich. Aber die Zeit ist bereits knapp, also steige ich ein.

Wir kommen an und irgendwie steigt in mir schon ein komisches Gefühl auf. Die Gegend hat viel zu viele Hochhäuser. So hatte es, als ich das letzte Mal mit meinem Kontaktmann dorthin mitgefahren war, nicht ausgesehen.

Nicht, dass er mir einen falschen Namen gegeben hat, denke ich mir noch. Aber das kann ja nicht sein, er hatte immer genau von dieser Schule gesprochen. Und ganz grob kann ich mich an die Karte erinnern. Es war irgendwo am südlichen Rand von Chengdu, und da sind wir ja.

Das große Schultor, vor dem mich der Taxler aussetzt, sieht allerdings wirklich völlig anders aus als in meiner Erinnerung. Aber vielleicht sind wir ja nur beim Hintereingang.

Ich gehe über den Campus, aber da ist kein Gebäude das so aussieht, wie das, wo ich das letzte Mal war. Ich frage nach, zeige Passanten die SMS mit dem Namen der Schule, und mir wird bestätigt, dass ich hier richtig sei.

Es ist 16:55, ich wäre also genau pünktlich, wenn ich am richtigen Ort wäre. Um 17 Uhr wollten wir uns treffen.

Langsam verfestigt sich in mir allerdings die Befürchtung, zumindest am falschen Campus zu sein. In China haben viele Schulen mehrere Campi, vielleicht ist der andere ja einfach nur ein paar Häuserblöcke weiter.

Ich rufe meinen Kontaktmann an, er solle mir noch einmal den Namen der Schule per SMS senden, damit ich hier fragen kann. Die neue SMS beinhaltet völlig andere chinesische Zeichen als die erste. Und am iPhone in Google Maps eingegeben wird kein Ort gefunden.

Also zeige ich die SMS einem der Wachmänner, der mich an ein vor dem Tor stehendes Tuktuk verweist. Okay, denke ich mir, dann kann es also wohl wirklich nicht weit weg sein. Tukutuk Fahrer bringen einen nämlich üblicherweise nie sehr weit. Ich steige also ein und bin glücklich, dass ich wohl nur ein paar Minuten zu spät sein werde.

Aber weit gefehlt. Der Tuktukfahrer biegt um zwei Ecken und bleibt plötzlich vor einer Bushaltestelle stehen. Er deutet auf den Fahrplan und zeigt mir, ich sollte Bus Nummer 374 nehmen, bis zur Endstation. Das sind allerdings ungefähr 25 Stationen.

Ich bedanke mich freundlich, bezahle ihn und nehme mir ein Taxi. Mit dem Bus, das weiß ich mittlerweile, würde ich bei 25 Stationen wohl ca. 2 Stunden brauchen…

In diesem Moment ruft die Person an, die ich treffen möchte. Sie verspätet sich ein paar Minuten. Das trifft sich gut sage ich, ich mich nämlich auch.

Die Gelegenheit ergreifend bitte ich sie, dem Taxler zu erklären wohin er mich bringen muss. Was nun folgt, sollte mich mittlerweile eigentlich nicht mehr überraschen. Gefühlte 10 Minuten diskutieren die beiden, wohin die Reise denn gehen soll und was sie kostet. Er will mich wahrscheinlich nicht fahren.

Dann aber reicht er mir das Telefon durchs Gitter auf den Rücksitz zurück und mein potentieller Kunde erklärt mir, es sei ziemlich weit, der Taxler würde mich aber für 100 Yuan hin bringen.

Was für österreichische Taxiverhältnisse ein Pappenstiel ist (100 Yuan sind ca. 13 Euro), ist für China eine der teuersten Taxifahrten meines Lebens. Und auch eine der längsten. Inzwischen habe ich nämlich die richtige Schule doch auf Google Maps gefunden. Es sind rund 30 Kilometer.

Kurz vor 18 Uhr komme ich also endlich bei der richtigen Schule an. Wir haben ein gutes Meeting, essen noch zusammen in einer Nudelbude und dann geht es nach rund einer Stunde wieder in ein Taxi.

Wieder wenig überraschend ist mehr als kompliziert dem Taxler verständlich zu machen, dass ich zum Sichuan Gymnasium (ein bekanntes Stadion in der Stadt) möchte, wo ich mein Rad abgestellt habe. Ich deute auf Google Maps herum, zeige ihm den chinesischen Namen. Taxler in Chengdu scheinen allerdings mit Karten, selbst wenn sie auf chinesisch sind, auf Kriegsfuß zu stehen. Nach einigen Minuten Erklärung und Preisverhandlungen kann ich schlussendlich einsteigen und es geht zurück.

Als ich mein Rad sehe, bin ich mehr als erleichtert. Dass, als ich in unserem Wohnkomplex ankomme, der Lift wieder nicht funktioniert, kann mich im Moment auch nicht mehr aufregen. Ich bin einfach nur froh nach rund viereinhalb Stunden wieder zu Hause zu sein. Vielleicht frage ich doch das nächste Mal wieder Mr. Bao.

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Apple Store ChengduLange musste die 14 Millionen Einwohner Metropole auf ihren ersten Apple Store warten. Nun hat Apple allen i-hungrigen Chinesen in Chengdu (und mir) ein Weihnachtsgeschenk gemacht: Der erste echte Apple Store in der Stadt, in der 80% der letzten iPads produziert wurden, hat letzte Woche eröffnet.

Warum die Betonung auf echt? Schon seit längerem ist ja bekannt, dass in China unzählige gefakte Apple Stores existieren. Alleine in Chengdu gibt es dutzende davon, wie ich seit Sommer selbst feststellen konnte. Einige sehen Apple Stores wirklich relativ ähnlich, bis hin zur Kleidung der Mitarbeiter. Andere sind unglaublich plump.

Um einen kleinen Eindruck davon zu geben, hier eine Auswahl als Fotogalerie:

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Chinesische Schüler in Reih und GliedMich haben ja einige vorgewarnt. „In China muss man echt flexibel sein!“ Dass das für mich als Westeuropäer mit norddeutschen Wurzeln, der Ordnung und Verlässlichkeit liebt, ein gutes Lerntraining sein würde, war mir klar.

Ungefähr. Die Chinesen haben ein wunderbares Wort: Cha bu duo – „Ungefähr“. Ungefähr ist in China nämlich ungefähr alles. Egal ob auf Zeit oder Raum bezogen. Man trifft sich um 14 Uhr. Ungefähr. Das Bild hängt gerade. Ungefähr.

Dabei ist es unglaublich bewundernswert, wie schnell manche Dinge erledigt werden. Das Schloss unserer Wohnungstür zum Beispiel war nach dem Einzug schneller ausgetauscht, als bei uns in Österreich wohl der Anruf beim Schlosser dauern würde.

Badminton. Ein besonders lustiges Erlebnis zum Thema zeitliche Flexibilität hatten wir gerade letzte Woche:

Wir haben eine chinesische Freundin namens Betty (junge Chinesen haben fast alle auch einen englischen Namen). Christiane hatte mit Betty ausgemacht, am Mittwoch Mittagessen zu gehen. Im letzten Moment sagt Betty ab. Das Gleiche am Donnerstag. Gut, also kein Mittagessen. Stattdessen machen sich die beiden aus, am Samstag am Uni Campus Badminton spielen zu gehen.

In der Früh ruft Betty an, dass sie vielleicht nicht kann und sich noch einmal später meldet. Zu Mittag ruft sie an, es geht um 14:30 Uhr. Um 14 Uhr ruft sie an, wo Christiane denn sei. Sie kann entweder gleich, oder doch gar nicht. Vielleicht kann sie aber doch warten, sie weiß es noch nicht.

Weil wir zu viert spielen wollten, hatten wir zuvor auch Levi, einen anderen chinesischen Freund gefragt, ob er Zeit hat. Er hatte selbst zwar keine Zeit, zwei seiner Freunde wollten aber mit uns spielen. Ich solle sie kurz bevor wir losgehen noch einmal anrufen.

Das tue ich, doch plötzlich ist nicht mehr klar, ob sie nun wirklich können. Dann geht es aber doch. Also gehen wir zum Uni Campus. Betty ist nicht mehr da. Nach kurzer Zeit kommen dafür drei der zwei Freunde von Levi…

Und dann steht auf einmal noch ein wildfremdes Mädchen vor uns und fragt, ob sie mit uns spielen kann. Sie selbst hat keinen Schläger. Wir könnten uns ja aber abwechseln, schlägt sie vor.

Auch ohne Badmintonnetz (denn die richtigen Plätze waren wie fast immer alle voll) haben wir einen riesigen Spaß. Das imaginäre Netz wird einfach „cha bu duo“ festgelegt, der Gewinner wird von dem bestimmt, der gerade am pausieren ist.

Disziplin. Wie diese Flexibilität mit der gewaltigen Disziplin zusammen passt, die Chinesen oft an den Tag legen, ist uns weiterhin ein Rätsel. Die bekannten Bilder von China, mit Schülern beim Morgensport in Reih und Glied oder aufgereihten Restaurantmitarbeitern am Gehsteig sind nämlich keine falschen Klischees, sondern sehen wir täglich.

Doch das ist eben der Reiz an China: Widersprüche existieren nebeneinander, ohne dass man sie je verstehen wird. Man muss lernen, flexibel mit der Flexibilität umzugehen. Einfach „cha bu duo“.

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Mopeds und Räder auf KreuzungIch liebe den Verkehr in China. Und ich hasse den Verkehr in China. Je nachdem in welcher Stimmung ich bin und ob ich es gerade eilig habe oder nicht.
Hier 9 Prinzipien, um die tägliche Straßenschlacht zu überleben und vielleicht sogar Spaß daran zu haben:

1. Sei dir immer bewusst: Als Fußgänger bist du das schwächste Glied. Und hast damit genau gar keine Rechte. Werte es als Erfolgserlebnis, wenn du nicht angehupt wirst, während du bei grün über den Zebrastreifen gehst.

Fahrverbot mit Wache

Wenn ein Fahrverbot wirklich eingehalten werden soll, braucht es eine eigene „Wache“.

2. Rückspiegel sind nur Dekoration. Chinesische Fahrer sind nur für das verantwortlich, was sich in ihrem direkten Sichtfeld befindet. Alles, was sich mehr als 90 Grad seitlich befindet, ist das Problem des Hintermanns.

3. Die Hupe ist das wichtigste Teil am Fahrzeug. Sie ist in China kein Instrument um Ärger kundzutun, sondern sagt einfach nur „ich bin hinter dir“. Wer nicht hupt oder klingelt, existiert nicht. Gemessene Hupfrequenz auf Hauptstraßen daher: Unter 3 Sekunden.

Flyover in Chengdu

Blick aus unserem Gebäude. Rushhour – den ganzen Tag.

4. Bleibe keinesfalls stehen. Wer zuerst bremst hat verloren. Habe dabei keine Angst, solange du siehst, dass du gesehen wirst (dabei darf dein Gegenüber allerdings nicht merken, dass du ihn siehst…).

5. Rege dich niemals auf. Bleibe ruhig, egal ob ein Auto bei Rot über den Zebrastreifen fährt oder dich fast in den Straßengraben drängt. Erst wenn ein Unfall passiert ist, darfst du richtig laut schreien.

6. Vertraue nie auf den Vertrauensgrundsatz. Auch wenn vor deinem Fahrrad alles meterweise frei scheint, wende deinen Blick nie von der Straße ab. Nicht einmal für eine Sekunde.

7. U-Turns sind erlaubt. Überall.

Auto auf Fahrradweg

Räder und Mopeds dürfen sowieso überall fahren. Doch auch Autos nützen gerne Fahrradwege.

8. „Zuerst links schauen“ gilt hier nicht. Die gute alte Kinderregel für die Straßenüberquerung kann in China gefährlich werden. Räder, Mopeds und sogar Autos kommen aus jeder erdenklichen Richtung, auch auf deiner Straßenseite.

9.  Räder und Mopeds dürfen überall fahren. Auch auf dem Gehsteig. Wo du parken darfst ist allerdings eine andere Geschichte.

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Wie funktioniert Kommunikation, Marketing und Werbung in China? Das ist eine der für mich spannendsten Fragen hier.
Ein Blick in die Werbewelt der chinesischen Großstadt:

Überall
Wer denkt, dass wir im Westen einer Reizüberflutung ausgesetzt sind, dem werden hier erst recht die Augen herausfallen.

Die überall vorhandenen Flat-Screens in Bussen sind hier nicht einfach dezent und still, nein die Werbung läuft in voller Audio-Lautstärke. Sie wird nur von den noch lauteren Handy-Gesprächen der Chinesen übertönt.

Kilometerlange Screens im U-Bahn Schacht: „Mitfahrende“ Werbung

Besonders beeindruckend sind die U-Bahn Werbungen: Mitfahrende Werbung durch kilometerlang aneinandergereihte Flatscreens.

Kommt man nach Hause und wartet im Stiegenhaus auf den Lift, wird man auch hier von Videoscreens bespaßt. In China wohnen eben so viele Menschen in einem einzigen Hochhaus, dass sich die Maßnahme wohl rechnet.

Auch im Lift geht es munter weiter. Nicht nur tonnenweise Plakate gibt es hier, sondern auch kleine an der Decke montierte Radios, die Tag aus Tag ein Werbung spielen. Nachdem wir im achten Stock wohnen, können wir die meisten Werbe-Telefonnummern nun schon auswendig auf chinesisch mitsprechen.

Im Lift geht die Werbung weiter. Mit Miniradio.

Schrill
Je schriller desto besser. Nachdem hier die Masse an Menschen ebenso wie die Masse an Werbung so gewaltig ist, versuchen Werber in China noch mehr als bei uns durch möglichst schrille und laute Werbung aufzufallen.

Sei es die Musik vor den kleinen Geschäften, wodurch man alle 3 Meter einem neuen Musikstil ausgesetzt ist, oder meine Lieblingsaktion: Chinesische Jungs und Mädels, die einfach vor dem Geschäft stehen und in die Hände klatschen. Die Effektivität davon lässt sich in Frage stellen…

Billig vs Hochglanz
Werbung von chinesischen Firmen wirkt einfach billig. Was ja wenig verwunderlich ist, soll sie ja die breite Masse ansprechen, die immer noch relativ geringe Einkommen hat.

Im Gegensatz dazu positionieren sich die internationalen Marken praktisch immer im Hochpreissegment, um die wachsende Reichenklientel anzusprechen. Ob eine Werbung von einer westlichen oder chinesischen Firma stammt, ist also auf den ersten Blick zu sehen.

Vor dem Lift in Wohnhochhäusern wird für Transformers geworben.

„Weiße“ Models
Nur ein Umstand könnte zur Verwirrung beitragen. Denn nicht nur internationale Konzerne setzen auf „weiße“ Models. Auch chinesische Firmen nutzen unglaublich oft das westliche Schönheitsideal der Chines(inn)en und fördern es damit noch weiter.

Fazit
Wie in so vielen anderen Bereichen in China treffen auch in der Werbelandschaft enorme Gegensätze aufeinander.
Auf der einen Seite findet man modernste Werbetechniken (siehe U-Bahn), die uns in Europa ziemlich alt aussehen lassen. Auf der anderen Seite wirken manche Werbungen plump und billig, wie bei uns in den 80ern. Riesige Werbeflächen von Gucci und Co stehen kleinen Händlern gegenüber, die ihre Wahlnüsse mit an Tonbänder angeschlossenen Mini-Megaphonen anpreisen.

Und von der digitalen Welt habe ich noch gar nicht geschrieben.

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Wir sind zurück. Nicht in Österreich, sondern in Chengdu. Eine Woche lang waren wir im abgelegenen Bergland Westchinas, wo wir mit einer Freundin deren Familie besucht haben.

Zuerst eine Stunde Flug in die Nachbarprovinz. Das ist natürlich noch nichts besonders. Doch dann: Vier Stunden mit dem Bus über steilste Bergstraßen, davon die erste Stunde über eine „Baustelle“. Während die neue Schnellstraße gebaut wird, läuft der Verkehr über halbmetertiefe Schlaglöcher und Matsch einfach weiter.

Wenn man endlich den Asphalt erreicht, warnen einen dort zahlreiche Schilder vor Steinschlag. Doch, anders als in Österreich, herrscht hier wirklich Steinschlaggefahr – die zahllosen Felsbrocken auf der Straße, meist ganz frisch, überzeugen einen davon sehr schnell. Geschichten von unserer Freundin, die dort nach Steinschlag einmal „einen Mann mit seinem Gehirn daneben“ gesehen hat, machen einen nicht gerade ruhiger.

Doch bisher war es noch harmlos. Oben in einer Bergstadt angekommen, übernachten wir einmal. Am nächsten Morgen kaufen wir am Markt Nahrungsmittel für die Familie unserer Freundin ein. Obst, Gemüse und ein lebendiges Huhn. In einem völlig untermotorisierten „Brot-Auto“ (die kleinen allgegenwärtigen Minivans, die aussehen wir ein Laib Brot) geht es nun hinauf in das Dorf unserer Freundin. Mehr als drei Stunden fahren wir über Stock und Stein. Wörtlich. Solche Straßen kennen wir sonst nicht einmal aus Griechenland. Die Fahrt hat alles was dazu gehört, inklusive Reifenplatzer und im Matsch stecken bleiben.

Die Straße existiert erst 3 Jahre. Davor konnte man nur durch einen acht Stunden Fußmarsch in das Dorf gelangen. Strom hat das Dorf seit genau einem Jahr, ebenso wie eine Handyverbindung.

Das Dorf hat seit einem Jahr Strom.

Wir kommen oben an, das Dorf liegt auf 3.300 Meter Seehöhe in einer herrlichen Berglandschaft. Es ist das dritte Mal in ihrem Leben, dass die Menschen hier oben Westler sehen. Sie sind Selbstversorger und kommen praktisch nie hinunter in die Stadt. Ohne Geld und Auto geht das auch kaum.

Die Familie unserer Freundin lebt, wie die etwa 70 anderen Dorfbewohner auch, von Buchweizen und Kartoffeln. Das Haus ist aus Lehm bzw. Holz und besteht aus drei Räumen. In der Mitte ist die Feuerstelle, auf der Seite die Schlafräume, die zugleich auch Lagerraum für die Kartoffelernte sind.

Fensterscheiben gibt es keine, auch wenn im Winter bis zu einem Meter Schnee liegen kann. Bis auf den Vater spricht hier niemand Mandarin. Die kleine Schwester unserer Freundin ging nur 2 Jahre zur Schule und lebt jetzt mit ihrem Cousin verheiratet in einem anderen Dorf.

Für das Mittagessen wird das bis dahin noch fröhliche Huhn, das wir mitgebracht haben, zerstückelt und (wörtlich) mit Kopf und Fuß in den Topf gesteckt. Die Eltern wollen, dass unsere Freundin kocht, denn sie haben Angst, dass wir Westler ihr Essen nicht mögen. Das Statusdenken ist hier noch extrem ausgeprägt. Die Großeltern mütterlicherseits waren noch Sklaven, die Familie wird von den anderen Dorfbewohnern daher bis heute als „untere Klasse“ betrachtet. Dass „wir Weiße“ die Familie besuchen, bringt der Familie Achtung in der Dorfgemeinschaft. Erschreckend, so etwas zu erleben.

Schlafzimmer und Kartoffellager in einem.

Es ist ein bewegendes Erlebnis, unsere Freundin bei ihr daheim in den Bergen zu erleben. Sie, die sonst am Computer schreibt und uns beim Handykauf geholfen hat, sitzt jetzt hier am Lehmboden und kocht über dem offenen Feuer. Und es bringt einem zum Nachdenken, mit wie wenig die Menschen hier oben zurecht kommen.

Zurück in Chengdu macht uns die Erfahrung wieder einmal deutlich, wie gewaltig die Gegensätze in China derzeit sind. Unsere Freundin bringt es auf den Punkt: „Es fühlt sich an wie in einem anderen Land, richtig?“

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